Die Tür

Ich bin ein Kobold.

Ein Spieler, eine Brausebonbonfrau, ein unsteter Geist. Ich liebe es, Scherze zu machen und sich gegenseitig Wortakrobatikbälle zuzuwerfen. Neues fasziniert mich, so, wie andere sich vor Fremdartigem fürchten. Gefahr existiert für mich kaum. Fragen beginnen bei mir meistens mit einem „Warum“.

Ein siebenjähriges Mädchen im Körper einer Mittvierzigerin.

Noch heute frage ich mich oft, was zur Hölle die anderen da spielen. Ich verstehe weder Sinn noch Zweck vieler Aktivitäten von Miterwachsenen. Seien es Hass gegenüber Menschen, denen man noch nie im Leben begenet ist, oder gar Diffamierung, Drohung und Gewalt. Es hat sich nicht viel geändert seit dem Grundschulhof. Nicht, dass ich ein Undschuldslamm wäre und nicht auch eine andere Seite hätte, im Gegenteil. Aber ich weiß, was man damit alles anrichten und zerstören kann. Deswegen krame ich die schwarze Fee selten heraus.

Ich glaube, meine Eltern haben mich falsch erzogen. Ohne Strafe. Allerdings mit Erklärungen, Diskussionen (mehrmals täglich!) und Unterstützung. Konkurrenzverhalten war ihnen so wichtig wie die Frage, ob ihre Kinder weiße, schwarze, rote, gelbe oder türkisfarbene Freunde hatten. Nämlich gar nicht. Sie achteten lieber darauf, ob ihre Kinder glücklich sind. Sie INTERESSIERTEN sich für uns.

Die Siebenjährige in mir kann sich sehr gut erinnern. Und ich lasse sie. Bei vielen Menschen kann sich das Kind in ihnen nur noch an Angst, Zurückweisung und Mangel an Liebe erinnern. Das ist etwas, was mir wehtut. Weil es sehr schwer ist, den Rest des Kindes wieder zum Vorschein zu bringen. Fragen zu stellen wie ein Kind. Zu vertrauen wie ein Kind. Freundschaften zu schließen wie ein Kind. Verzeihen, wie nur ein Kind es kann.

Man muss die Tür wieder aufschließen, um aufgeschlossen sein zu können. Und erstaunlicherweise haben wir den Schlüssel dazu selber in der Hand. Wir sind es ja auch, die die Tür damals verschlossen haben. Einige haben leider dabei den Schlüssel verbummelt oder abgebrochen. Da kann nur noch ein Fachmann helfen.

Beim Nachbarn klingeln und fragen, ob er zum Fußballspielen rauskommt. Versucht es einfach mal. Vielleicht macht er die Tür ja auf. Sonst bin ich so alleine. Und alleine spielen ist doof.

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Ein Kommentar zu “Die Tür

  1. Super….! Ich versuche auch, dort wo ich es kann, diese kindliche Neugier, – die stärker sein sollte als alle Angst vor Neuem, Unbekanntem- , auch bei den Nachfolgenden zu wecken,fördern und fordern…. Was uns als „Erwachsenen“ („Entwachsenen“) dabei vielleicht verlorengeganen ist, ist das Spielerische, Unverkrampfte,….dabei. Aber wie auch ungezogene Kinder sollten wir immmer wieder an diese Grenzen und manchmal über sie hinaus gehen….

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